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Deutsche und dänische Azubis machen Druck

Deutsche und dänische Azubis machen Druck

Sechs Tage lang haben sich vom 22.-27. Oktober 2012 deutsche und dänische Auszubildende aus der Fehmarnbeltregion zu einem kreativen Print-Workshop getroffen. Drei Tage lang waren sie in Naskov auf Lolland zu Gast, drei Tage in Hamburg-Altona. Im Rahmen des  Interreg-Projekts RegioSKILL erarbeiteten die Jugendlichen Siebdrucke. Ganz nebenbei lernten sie auch noch viel über den jeweiligen Nachbarn.  northern lights machte einen Werkstattbesuch.

Zwei Länder, sechs Tage, sieben Azubis: Im Oktober trafen sich deutsche und dänische Auszubildende aus der Fehmarnbeltregion zu einem kreativen Print-Workshop. Drei Tage waren die Jugendliche in Nakskov auf Lolland zu Gast, drei Tage in Hamburg-Altona. Der grenzüberschreitende Workshop bildete den Auftakt des auf drei Jahre angelegten deutsch-dänischen Interreg-Projekts „RegioSKILL“, der das Zusammenwachsen der Region durch zahlreiche kleine und größere Kunst- und Kreativprojekte fördern will. northern lights hat am Donnerstag mit Teilnehmern und Leitern des Print-Workshops bei einem Werkstattbesuch auf der Kulturetage Altona in Hamburg gesprochen. Dort durften die sieben Auszubildenden – zwei aus Dänemark von der CELF-Schule in Nakskov, fünf aus Deutschland von der Dorothea-Schlützer-Schule in Lübeck – im Atelier von Grafikdesignerin Gaby Bergmann ihre Ideen mit Siebdrucktechnik realisieren.

„Unser Print-Workshop dreht sich um das Thema Windrad“, sagt Angela Siegmund. Die gelernte Grafikerin arbeitet in der Abteilung Internationale Projekte an der Handwerkskammer Lübeck und betreut das Projekt RegioSKILL federführend. Das Interreg-Projekt RegioSKILL (kurz für: Sprache, Kunst, Identität, Lebenslanges Lernen) ist auf drei Jahre angelegt und will das Zusammenwachsen der grenzüberschreitenden Region praktisch fördern ­– besonders in der Arbeit mit Jugendlichen bzw. Auszubildenden aus beiden Ländern. Angela Siegmund: „Das Windrad steht dabei als Symbol für die Region, aber auch für gemeinsames Wachsen und Veränderung.“ Der Entwurf des Fehmarnbelt-„Logos“ von RegioSKILL stammt von Elke Ehringer. Die Illustratorin und Grafikerin hat ihr Atelier auf der Kulturetage in Hamburg-Altona und begleitet das internationale Projekt seit den Anfängen im Frühsommer dieses Jahres.

Doch das Logo diente den sieben Auszubildenden nur als erste Inspiration: „Meine Ideen drehen sich um Wind, Meer, meine Heimatstadt, die Insel Lolland und vieles mehr“, erzählt Niklas Gotfredsen während er mit seiner Druckvorlage arbeitet. Für den 16-Jährigen sind kreative Phasen wie der Print-Workshop ebenso ungewohnt wie für seinen gleichaltrigen Klassenkameraden Kristian Jensen – beiden besuchen nämlich den Handelsbereich der weiterführenden Berufsschule CELF in Nakskov. Dort fand von Montag bis Mittwoch der erste Teil des Workshops statt, ehe die Gruppe nach Deutschland weiterreiste. „In Nakskov haben wir erst einmal ganz von unten angefangen“, so Kristian, „mit einfachen Entwürfen von Hand, mit Kartoffeldruck und ersten Computerentwürfen.“

Diese wurden dann unter der professionellen Anleitung von KünsterlInnen wie dem seit 35 Jahren auf Møn lebenden Schweizer Künstler Claudio Bannwart und Gaby Bergmann von Donnerstag bis Samstag umgesetzt und „in einer tollen Kombination auf Papier und Textilien gedruckt“, erläutert Bergmann. Dabei hatten die fünf deutschen Auszubildenden aus Lübeck sichtlich weniger Probleme: Die Azubis von der Dorothea-Schlützer-Schule der Hansestadt lernen das Schneiderhandwerk bzw. machen wie Josefine Graap ein Praktikum am Theater in Lübeck. „Da ist man den Umgang mit Stoffen und Farben sicher eher gewohnt als Handelsschüler“, bestätigt die 21-Jährige.

Verständigungsschwierigkeiten gab es zwischen den deutschen und dänischen Azubis dennoch nicht – weder künstlerlisch noch sprachlich. Man half sich, tauschte Ideen aus. Und kommunizierte multilingual Deutsch, Dänisch, Englisch, je nachdem, in welcher Sprache sich das Gemeinte gerade leichter ausdrücken ließ. „Genau“, bestätigt Niklas auf Deutsch – ein Wort, das er in diesen Tagen besonders oft gehört hat: „Offenbar ein Lieblingswort der Deutschen.“

Ein kleines Beispiel für das, was die teilnehmenden Lehrlinge, aber auch die Künstler, die Ausbilder und Lehrer auf beiden Seiten des Fehmarnbelts bei diesem Workshop übereinander erfahren und lernen. Sogar wissenschaftlich begleitet wird RegioSKILL über den gesamten Projektzeitraum von Angehörigen der Universität im dänischen Roskilde (RUC). In Naskskov und Altona als wissenschaftlicher Ratgeber dabei war Finn Sommer vom Institut für Psychologie und Bildungsforschung der RUC: „Es ist eine hervorragende Idee, solche praktischen Projekte rund um den Fehmarnbelt zu veranstalten. Denn prüfen beide Seiten ihr Wissen, das sie voneinander hatten und haben. Wir erleben immer wieder Überraschungen: Die deutschen Azubis waren zum Beispiel zu Beginn des Workshops in Nakskov ganz verwundert darüber, dass ihre dänischen Partner alle Werkzeuge und Materialien ganz offen und selbstverständlich nehmen durften – ohne zu fragen. Dies ist ein echter Kulturunterschied zu Deutschland: Bei uns hat man mehr Vertrauen in die Azubis und Jugendlichen. Sie tragen mehr Eigenverantwortung.“

Die Ergebnisse des Print-Workshops sollen im Frühjahr 2013 in der „Botschaft“ von Lolland-Falster in Kopenhagen zu sehen sein. Nächster deutsch-dänischer Workshop im Rahmen von RegioSKILL ist ein Metall-Workshop im April 2013, der ebenfalls auf beiden Seiten des Fehmarnbelts stattfinden wird.

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