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Nyksund – kleines Dorf, große Anziehungskraft

Nyksund – kleines Dorf, große Anziehungskraft

Im Norden der nordnorwegischen Inselgruppe Vesterålen erwacht ein ehemaliges Geisterfischerdorf zu neuem Leben. Ein Teil der Aufbauarbeiten wird dabei von Deutschen durchgeführt. Mittlerweile leben etwa 25 Personen dauerhaft das ganze Jahr über in Nyksund.

Der Aussteiger

Damit ein eventueller Brand nicht gleich auf die Nachbarhäuser übergreift, muss zwischen den Häusern ein gewisser Abstand eingehalten werden.

Häuserreihe in Nyksund.

Einer von ihnen ist der gebürtige Rheinländer Ssemjon Gerlitz. Bereits seit 14 Jahren lebt der 42-Jährige in Nyksund am äußeren Nordrand der Insel Langøya auf den Vesterålen. Dass er aus Deutschland auswandern wollte, wusste er eigentlich schon immer. Dass es ausgerechnet Vesterålen werden würde, war hingegen nicht geplant. „Eigentlich wollte meine damalige Freundin nach Südfrankreich“, erzählt er uns. Doch dann war es Liebe auf den ersten Blick mit dieser wilden, unberührten, rauen Landschaft im hohen Norden Norwegens. Und für Ssemjon war klar: Hier möchte ich leben. Dass es hart werden würde, war ihm bewusst. Der Ort war verlassen, denn die Regierung bezahlte Mitte der 60er die ehemaligen Bewohner, damit sie Nyksund verlassen und verpflichtete sie, 30 Jahre lang nichts an ihren Häusern zu tun. Das bedeutete, als Ssemjon ankam, waren fast alle Häuser durch Wind und Wetter zerfallen und es gab eigentlich nur einen weiteren Dorfbewohner. Selbst fließend Wasser war zwischendurch Fehlanzeige. „Dann mussten wir eben Schnee auftauen“, erklärt Ssemjon als wäre das normal in unserer hochtechnisierten Welt. Als sein „Mitbewohner“ eines Tages bei einem Unfall starb, wohnte Ssemjon eine Zeit lang alleine in Nyksund. Doch er hielt durch. Er arbeitete in einer Fischfabrik im Nachbarort, um Geld zu verdienen und steckte viel Energie, Enthusiasmus und Ersparnisse in den Wiederaufbau seines Hauses und auch den Rest des Dorfes. Die Einwohnerzahl schwankte immer wieder. Aber nach und nach zogen weitere Deutsche, aber auch Norweger nach Nyksund. Anfangs nur über die Sommermonate, mittlerweile wohnen knapp 25 Bewohner auch im Winter hier.

Sachsen trifft Nordatlantik

Betreiberin des Café Ekspedisjonen in Nyksund: Monja Fischer aus Freiberg in Sachsen (hier zu sehen mir ihrem Angestellten Odo Brodda ebenfalls aus Deutschland)

Betreiberin des Café Ekspedisjonen in Nyksund: Monja Fischer aus Freiberg in Sachsen (hier zu sehen mir ihrem Angestellten Odo Brodda ebenfalls aus Deutschland)

Auch Monja Fischer und Ringo Haupt kommen ursprünglich aus Deutschland, genauer gesagt, aus Freiberg in Sachsen. Nach einer Zwischenstation in Henningsvær auf den Lofoten, betreiben die beiden seit 2003 das Café & Restaurant „Ekspedisjonen“ in Nyksund. Im Jahr 2008 kam das zweite Lokal „Ekspedisjonen Blåbrygga“ in Sortland dazu. Ringo ist gelernter Koch und verwöhnt seine Gäste mit exzellenten Menüs aus allem, was Meer und Landschaft rundherum hergeben. Allein der Anblick der köstlichen Kuchen, die in der Kühltheke stehen, lässt das Wasser im Mund zusammen laufen. Dafür, dass das Ekspedisjonen eins von drei Restaurants in Nyksund bei gerade mal 25 Einwohnern ist, haben Monja und Ringo alle Hände voll zu tun. Nicht nur, weil immer öfter Touristen das abseits gelegene Geisterdorf für sich entdecken. „Etwa 80 Prozent unserer Gäste sind Lokalbevölkerung“, erzählt Monja. Konfirmationen, Geburtstage, Hochzeiten oder die in Norwegen traditionellen Julebords zur Weihnachtszeit – das Ekspedisjonen ist oft schon Monate im Voraus ausgebucht.

Royale Unterstützung

Ssemjon Gerlitz als Guide bei Wandertouren.

Ssemjon Gerlitz als Guide bei Wandertouren.

Heute muss Ssemjon nicht mehr in der Fischfabrik arbeiten. Er führt seit ein paar Jahren zusammen mit Freundin Nurietta das Gästehaus „Holmvik Brygge“ mit dazu gehörigem Restaurant „Holmvik Stua“ und arbeitet als Guide für Discover Vesterålen. Das Dorf ist dank ihm und vielen anderen Helfern wieder zu neuem Leben erwacht und wird wohl so schnell auch nicht mehr wegzudenken sein. Nyksund kann mittlerweile sogar auf royalen Beistand zählen. Norwegens Königin Sonja gilt seit ihrem ersten Besuch 1994 als größter Fan.

Weitere Erlebnisse und Erfahrungsberichte in und aus Nyksund findet ihr übrigens bei Heike von Köln Format und Timo von Bruder Leichtfuß.

Disclaimer: Der Besuch in Nyksund war Teil einer Pressereise unseres Kunden Innovation Norway. (Fotos: K. Bieda; J. Stöckl)

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