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Norge på langs: Zu Fuß zum Nordkap

Norge på langs: Zu Fuß zum Nordkap

Einmal zum Nordkap, bitte! Aber nicht mit dem Flieger, auch nicht mit Auto oder Bahn. Nein, der Deutsche Simon Michalowicz wanderte 2013 vom südlichsten Punkt Norwegens, dem Kap Lindesnes, bis zum nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes, dem Nordkap, einmal der Länge nach – kurz: Norge på langs.

Insgesamt brauchte er dafür 140 Tage und legte dabei etwa 3000 Kilometer zu Fuß zurück. Am 27. Mai 2013 lief er los und am 12. Oktober 2013 erreichte er sein Ziel: das Nordkap. Uns hat er ein paar Fragen dazu beantwortet und auch verraten, welches Abenteuer als nächstes auf ihn wartet!

Wieso Norge på langs und nicht pilgern auf dem Jakobsweg?

Gute Frage. Vor allem die Herausforderung Norge på langs hat mich sehr gereizt. Norwegen der Länge nach zu durchqueren hat schon etwas ganz Besonderes, die Distanz zwischen dem Süden und dem Norden ist einfach so unfassbar groß! Und eine solch lange Wanderung hat auch etwas von Pilgern, man hat viel Zeit zum Nachdenken und findet ganz allmählich zu sich selbst.

Simon in der Setesdal Austheiane.

Simon in der Setesdal Austheiane.

Wie lange hast du dich auf das Abenteuer vorbereitet? Und wie?

Die Vorbereitungen haben insgesamt ein Jahr gedauert – von der Idee, über den Entschluss es zu machen bis hin zum Start. Die Vorbereitung bestand vor allem aus einer fünf Wochen langen Probetour und viel Arbeit am Schreibtisch, um Wegpunkte, Routen oder auch Versorgungspunkte herauszufinden.

Welcher Umstand hat dich während deiner Reise am meisten überrascht? Bzw. Womit hast du überhaupt nicht gerechnet?

Am meisten überrascht hat mich, was so eine Reise mit einem anstellt. Langsam aber stetig verschmilzt man mit der Tour, jedenfalls war es so bei mir. Zudem lernt man auch mit schwierigen Situationen gut umzugehen und sich Herausforderungen zu stellen, diese anzunehmen und zu bewältigen. Das norwegische Sprichwort „Det ordner seg“ war bald schon eine Art Mantra meiner Wanderung! Ganz egal was kam, irgendwie hat es sich schon geregelt.

So lange Wanderstrecken verlangen körperlich einiges ab. Wie hast du dich ernährt, um genügend Energie zu haben? Wie bist du an Vorräte gekommen?

Allein in der weiten Natur Norwegens.

Allein in der weiten Natur Norwegens.

Zum Abend gab zumeist Fertiggerichte von Real Turmat. Das sind kleine praktische Mahlzeiten, denen das Wasser entzogen wurde. Einfach die Tüte aufreißen, kochendes Wasser hinein und ein paar Minuten warten, fertig. Ansonsten gab es am Morgen oft Müsli und tagsüber reichlich Schokolade in allen Variationen. Dazu alles was möglichst viele Kalorien hat, Nüsse oder kleine Salami-Sticks zum Beispiel. Und in fast jedem Supermarkt am Weg gab es Cola und Chips. Da man nicht immer alles unterwegs bekommt, bekam ich während der Tour Versorgungspakete von meiner Bekannten Julia zu verschiedenen Adressen geschickt. Bei ihr in Fagernes war ich vor der Tour zu Besuch und habe dort Landkarten, Brennstoff und Lebensmittel deponiert, die sie mir dann immer mal wieder zugesandt hat.

Die Wanderausrüstung: Hat die von Tag eins bis zum Schluss gehalten? Oder musstest du zwischendurch wechseln? (z.B. Wanderschuhe, Wanderstöcke bei Bruch, etc.)

Im Großen und Ganzen hat alles sehr gut durchgehalten. Verluste gab es dennoch einige wenige. Zum Beispiel sind zwei Wanderstöcke zu Bruch gegangen und insgesamt habe ich drei Paar Wanderstiefel abgelaufen. Aber das Schlimmste war, dass ich mein Zelt unterwegs im Fjell verloren habe ohne es zu merken. Ein ziemlich dämlicher und vor allem teurer Verlust, der mich einige Nerven gekostet hat. Am Ende ist es aber noch einmal gut ausgegangen. Det ordner seg!

Gab es einen Zeitpunkt während deiner Reise, wo du dachtest, an der nächsten Straße halte ich den Daumen raus und lass mich zum nächsten Flughafen bringen?

Zu keinem einzigen Moment ernsthaft, manchmal war es schon hart. Die Alternative wäre aber gewesen, im Büro zu sitzen und nicht unbedingt das zu machen, was mir am meisten Freude bereitet: Durch Norwegen zu wandern!

Das Ziel ist erreicht! Und natürlich werden Trikot und Fahne vom Lieblingsverein präsentiert.

Das Ziel ist erreicht! Und natürlich werden Trikot und Fahne vom Lieblingsverein präsentiert.

Du bist großer Borussia Dortmund-Fan. Hast du dir während deiner Tour regelmäßig die Ergebnisse schicken lassen?

Ja, jedes einzelne. So oft wie möglich habe ich auch probiert die Spiele im BVB Netradio zu hören, wenn es irgendwie möglich war. Der Start am 27. Mai war auch so gelegt, dass ich noch das Champions League Finale gegen Bayern gucken konnte 😉 Und am Nordkap zog ich dann ein BVB Trikot aus dem Rucksack, das ich 140 Tage lang durch Norwegen getragen hatte. Ein toller Augenblick voller verwirrter Touristen am Nordkap-Globus!

Wie hast du Kontakt zu deiner Familie, deinen Freunden gehalten?

Die Familie und meine Freunde haben immer fleißig den Blog verfolgt, dazu hatte ich ihn ursprünglich überhaupt eingerichtet. Ansonsten ganz normal, wir haben uns SMS und E-Mail Nachrichten geschrieben und von Zeit zu Zeit auch mal telefoniert.

Nach deiner Reise ist einiges passiert, was hat sich für dich verändert?

Zu aller erst hat sich danach meine Einstellung zu vielen alltäglichen Dingen entspannt, auch hier hat sich „Det ordner seg“ eingeschlichen. Zudem hat mich endgültig das Fernweh gepackt, man kommt einfach nicht mehr davon los, wenn man einmal so lange unterwegs war.

Das große Interesse an meiner Norge på langs Wanderung hat mich auch total überrascht, das hatte ich alles so überhaupt nicht auf dem Zettel. Die bisher erschienenen Artikel zum Beispiel oder auch, dass ich von Hanwag und Helsport gefragt worden bin, ob ich nicht in ihrem ProTeam bzw. Testteam mitwirken möchte. Und die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende, man wird noch mehr über die Reise lesen können, versprochen.

Gibt es bereits nächste Reisepläne?

Nordlichter im Nabarfjell kurz vor Alta.

Nordlichter im Nabarfjell kurz vor Alta.

Ja, ganz konkrete! Am 28. Dezember geht es wieder nach Norwegen, wieder Norge på langs! Aber diesmal zusammen mit meinem Kumpel Ulrich und auf Ski! Ein riesiges Abenteuer und eine große Herausforderung, das wird eine richtig tolle Tour!

Wer Simons Abenteuer nachlesen möchte, kann dies in seinem Blog Simon på tur tun, oder auf seiner facebook-Seite. Hier wird er dann auch von seinem Winterabenteuer Norge på langs berichten. Ziel ist es übrigens, bis Ostern das Nordkap erreicht zu haben. Wir drücken die Daumen und werden seinen Blog aufmerksam verfolgen.

Alle Fotos: Simon Michalowicz

 

 

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